100 Jahre Bauhaus. Die Eröffnung des Bauhausmuseums Dessau

                     

Bauhaus Museum Desssau

Experiment Bauhaus. Die Sammlung in einer Blackbox mit Glashaube

Anlässlich des 100. Gründungsjubiläums des Bauhauses wurde In Dessau das neue Bauhaus Museum mit einem großen Festakt eröffnet. Es beherbergt die weltweit zweitgrößte Bauhaussammlung. Der dunkel-verspiegelte, zwei stöckige Glasbau ist von Außen schlicht und ohne die Fahnen  an den Fahnenmasten nicht unbedingt als Museum erkennbar. Die von außen eher hermetisch anmutende Glasfassade offenbart erst im Inneren des Baus ihre Transparenz, auf die die Museumsdirektorin Perren und die Planer großen Wert gelegt haben.

Bauhaus Museum Dessau

Auf der einen Längsseite öffnet sich die Glasfront zum Park auf der anderen Seite zur Stadt hin und damit auf ein Shoppingcenter und ein imposantes Plattenbau-Wohnhaus aus der sozialistischen Zeit.  Das obere Geschoß des Museums die Blackbox ist aus konservatorischen Gründen absolut hermetisch geschloßen. Die Decke, die Wände und der Fußboden sind schwarz, um das Licht so wenig wie möglich zu reflektieren. Das ist sicherlich sehr vorteilhaft für die vielen original Papierarbeiten und Textilien, die hier im Museum  in großer Vielfalt gezeigt werden.

Die Ausstellung wird durch drei Themenschwerpunkte gegliedert, die die Geschichte der Sammlung, die Lehre in der Schule und die Zeit während des Bauhauses thematisieren. Den Hauptteil der Präsentation nimmt die Lehre am Bauhaus ein. Ein langes, oranges Regal in der Mitte des Raumes soll wie ein Leitfaden durch die Ausstellung führen.

Mit seiner kräftigen Farbe ist es ein toller eyecatcher in dem schwarzen Raum, aber als Ausstellungsfläche überhaupt nicht geeignet. Die Exponate werden in viel zu enge Kojen gedrängt, das dominante Orange  lässt die zarten Farben der Exponate nicht wirken  und der Materialcharakter der Objekte wird verfälscht.

Ganz anders wirkt das gleiche Regal in einem der Seitenräume, dem Gehirn, in dem die Zeit am Bauhaus thematisiert wird. Gesprochene Pressestimmen laufen in Loops, auf dem Boden angebrachte Fragen, finden ihre Antworten in Form von Originalzitaten an den Wänden. Im Gehirn sind die Regale Weiß gestrichen und die Exponate können ungestört ihre Wirkung entfalten.

Das Bauhaus in der DDR

In Ulm dem damaligen Westdeutschland wurde bereits 1953 die Hochschule für Gestaltung Ulm als Nachfolgeschule des Bauhauses eröffnet. Inge Scholl-Aicher und Ottl Aicher waren die Initiatoren, Max Bill ein ehemaliger Bauhausschüler aus der Schweiz wurde zum Direktor ernannt. Walter Gropius hielt die Laudatio zur  Eröffnung. Die HFG knüpfte sogar im Titel an das Bauhaus an, das sich ab 1926 / 27 „Bauhaus, Hochschule für Gestaltung“ nannte. Die HFG sollte die Ideen des Bauhauses fortführen, weiterentwickeln und vorallem als Schule einen Beitrag zum Aufbau einer demokratischen Gesellschaft leisten. Dem Konzept des zweiten Bauhaus-Direktors Hannes Meyer folgend, gab es an der HFG die Kunst vom Handwerk getrennt und überhaupt nicht gelehrt. Kunst fand in Form von visueller Kunst in den Graphik Designs der Schule eingang und diente wenn überhaupt nur diesem Zweck. Der Schwerpunkt lag beim Industriedesign.

Bauhaus Museum Dessau

Nach dem 2. Weltkrieg unternahm der ehemalige und wiedergewählte Bürgermeister von Dessau in den 50 er Jahren der DDR vergebliche Versuche um  das Bauhaus- Dessau wieder ins Leben zu rufen, aber er wurde vertröstet und hingehalten bis die Idee schließlich  begraben wurde.  Es gab keine offizielle Stellungnahme von der Regierung weshalb das Bauhaus nicht wieder eröffnet werden sollte, es liegt aber nahe, dass es nicht in die DDR Doktrin passte und das sich Walter Gropius im Land des Klassenfeindes aufhielt machte es sicher auch nicht leichter. 1960 wurde in Darmstadt das Bauhaus Archiv  mit der ersten großen Ausstellung zur Lehre am Bauhaus in der Kunsthalle eröffnet. 1961 war Darmstadt ein wichtiger Standort in der Geschichte der Wiederentdeckung des Bauhauses und seiner internationalen Bedeutung. Walter Gropius plante ein neues Gebäude als Bauhaus Archiv für die Rosenhöhen in Darmstadt, welches nie gebaut wurde, bis es  1971 im Westen Berlins nach dem Tode Walter Gropius doch verwirklicht werden konnte. Die Geschichte des Bauhauses wurde also vom Westen interpretiert und geschrieben. Aber Dessau wollte  ihr großes Erbe doch nicht so leicht aus der Hand geben, also kam es 1967 zu einer Bauhausausstellung in Dessau. 1976 wurde schließlich der Startschuss zum Sammlungsankauf, mit dem Kauf der ersten Exponaten aus einer Dessauer Galerie, gegeben. Das Bauhaus Gebäude wurde in Stand gesetzt und man knüpfte vor allem an die Lehrzeit von Hannes Meyer an, der als Kommunist akzeptabel für die DDR war. Seine Zeit am Bauhaus und seine Zeit in Moskau und Mexico waren Anknüpfungs-Punkte für die Wiederbelebung. Seit 1976 konnte die Bauhaussammlung in Dessau durch Ankäufe und Schenkungen auf ihre jetzige Größe zur weltweit größten Sammlung nach Berlin anwachsen.

Das Bauhaus-Museum eine Versuchststätte?

Es paßt irgendwie zum Bauhaus-Museum, das es an die Versuchstätte Bauhaus anknüpft. Denn es selbst ist ein riskanter Versuch. Es wird sich zeigen müssen, ob die Dessauer und die vielen Touristen dieses neue, hermetische obwohl gläserne Gebäude, das sich noch dazu in erheblicher Entfernung zum Bauhaus Gebäude befindet,  annehmen werden. Nach der Idee der Planer soll es verbinden und einladen. Es soll nicht ausgrenzen und ein einladender Ort für Veranstaltungen werden. Allerdings wird das durch die spiegelnde Aussenfassade so nicht vermittelt. Momentan ist es eine willkommene Attraktion, die internationale Besucher in dieses Viertel spülen wird, die Gastronomie und die Cafes in der Umgebung werden es dem Museum danken. Ob die Besucher auch dann kommen, wenn sich der ganze Hype des Bauhaus-Jahres gelegt hat ? Auch das wird abzuwarten sein. 

 

Die Versuchsstätte Bauhausmuseum birgt auch aus museologischer Sicht noch eine weitere Überraschung. Nämlich die Blackbox, die eigentlich über dem Fußboden innerhalb des Glaskastens schwebt. Ohne weitere Stützen liegt sie 2.400t schwer nur auf den beiden Treppenhäusern an den Stirnseiten auf. Um die Transparenz des Erdgeschosses zu steigern und um die Sicht nach Aussen ohne Säulen oder Stützen unversperrt möglich zu machen, diente eine Brückenkonstruktion als Vorbild für das spanische Architekturbüro Addenda. Aber vor allem der komplett in Schwarz gehaltene Ausstellungsraum ist eine Präsentationsweise für eine Dauerausstellung, die so noch nicht versucht wurde.

Der Bau wurde in der vorgegebenen Zeit von zweieinhalb Jahren für nur 28 Millionen errichtet. So gesehen hat das neue Bauhaus-Museum die innovativen Ideen des Bauhauses weitergeführt und diese  was die Umsetzung der Bauzeit  und die Ausgaben anbelangt noch viel besser verwirklicht.

Architektonische Informationen

Gesamtmaße des Gebäudes
Länge: 105 m
Breite: 25 m
Höhe: 12 m
Gebäude-undFassadenraster
2,10 m
Black Box
Länge: 99 m, Breite: 18 m
Gesamtgewicht der Black Box
2.400t
Dies entspricht dem Gewicht von circa 2.000 Mittelklassewagen oder
9 Flugzeugen des Typs Airbus A 380.
Auskragung
freitragend Nord-
und Südraum: circa 18 m
Brückenkonstruktion
freitragend zwischen den Treppenkernen: 50 m
Fläche des klimatisierten Ausstellungsbereichs
Obergeschoss: 1.500m
Erdgeschoss: 600 m
Grundfläche aller Geschosse:
5.500m
Nutzfläche aller Geschosse
3.500m
K o n s t r u k t i o n
Rohbau:
Wasserundurchlässige WU
Betonkonstruktion im Untergeschoss
 
sogenannte „Weiße Wanne“
Erdgeschoss und Obergeschoss
Sichtbetonkonstruktion in Ortbetonbau-
weise, Decken mit Betonfertigteilen
Fassade:Pfosten-Riegel-
Konstruktion mit Dreifachverglasun
g (571 Scheiben) inklusive
Wärmeschutz, Sonnenschutz, Sicherheit und
hochwirksamen  Vogelschutz, raumhoher Sonnenschutz
Vorhang im Glasumlauf
F u n k t i o n e n
Obergeschoss
Black Box
mit Sammlungspräsentation
Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung
im Nord
Zentral -und Südraum
Erdgeschoss
Offene Bühne
flexible Nutzung für Veranstaltungen, Wech-
selausstellungen, Events und sonstige Aktivitäten;
Logistik
Verwaltungs-und Vermittlungsräume,
Foyer,
Ticketing,
Caféund Museumsshop
Untergeschoss
Technik-, Neben-und Lagerräumen sowie
Besucher-Garderobe und Besucher WC
B a u b e t e i l i g t e
Planungskernteam
5 Planungsbüros, außerdem
zahlreiche Sachverständige, Gutachter, Experten und sonstige Dienstleister
Firmen
Über 30 ausführende Unternehmen, die
überwiegend lokal und in
benachbarten Bundes
ländern ansässig sind.
F i n a n z i e r u n g
Zuwendungen:
28 Millionen Euro,
zu je 50 Prozent aus Bundes- und Landesmitteln
Grundstück
Baufrei von der Stadt Dessau-Roßlau zur Verfügung gestellt
 
Vorschau
Bei meinem letzten Beitrag habe ich über die Künstlergruppe Vereinigung der XI berichtet, die den Weg zur Berliner Secession geebnet haben. Davor wurde das Bauhaus Jahr in Berlin auch im Bröhan-Museum mit einer Arts & Crafts zur Bauhaus Ausstellung eingeleitet. Zum Ausklang des Bauhaus-Jubiläumsjahres richtet das Bröhan-Museum mit der Ausstellung Nordic Design. Die Antwort aufs Bauhaus den Blick auf die Reaktion der nordischen Länder auf den deutschen Funktionalismus. Präsentiert wird der skandinavische Weg der Moderne, der sich in einer starken Auseinandersetzung mit den Ideen des Bauhauses vollzog.