Simply Danish – Dänischer Silberschmuck im Bröhan-Museum

Die Sammlung Marion und Jörg Schwandt

Nach meinem Beitrag über die Architekten Frank Gehry und Hans Scharoun im Max Liebermann Haus in Berlin möchte ich Euch gerne eine Schmuckausstellung im Bröhan Museum vorstellen. Das Bröhan-Museum in Berlin Charlottenburg zeigt die Entwicklung der Schmuckgestaltung in Dänemark im 20. Jahrhundert anhand verschiedener Manufakturen und Gestalter. Die Ausstellung beginnt mit der Silberschmiede Anton Michelsen und den Einflüssen des Japonismus auf die Silber-schmuckgestaltung Ende des 19. Jahrhunderts, gefolgt von den Anfängen der modernen Schmuckgestaltung durch Mogens Ballin und Thorvald Bindesbøll, die schließlich in den Schmuckentwürfen von Georg Jensen ihre Vollendung finden. Hans Hansens Entwürfe im Formalismus zeigen wie einfach gute Gestaltung sein kann. Die Nachkriegsjahre bestimmt der Schmuck von Henning Koppel für Georg Jensen mt seinen organischen Formen.  Es folgen weitere einflussreiche Gestalter wie Nanna und Jørgen Ditzel, Bent Knudsen und Bent Gabrielsen Pedersen in den 60er Jahren. Es ist den Sammlern Marion und Jörg Schwandt gelungen, mit ihrer Sachkenntnis und Leidenschaft innerhalb von nur 5 Jahren eine Sammlung aufzubauen, die die wichtigsten Stationen in der Entwicklung des dänischen Silberschmucks repräsentiert. Neben den tonangebenden Manufakturen wie Georg Jensen, Hans Hansen und ihren Gestaltern haben  auch kleinere, weniger bekannte Manufakturen und Gestalter ihren Weg in die Sammlung Schwandt gefunden und damit den Formenschatz der Sammlung berreichert.

Das Sammlerehepaar: Jörg und Marion Schwandt

 

Eine Gegenbewegung zur Massenproduktion in der Gründerzeit markiert den Anfang der Moderne

Der dänische Silberschmuck ist der Inbegriff für Handwerk auf höchstem Niveau verbunden mit perfekter Gestaltung. Er ist modern, innovativ und weltweit ein Vorbild für viele Schmuckgestalter. Die Anfänge dieser Schmuck-bewegung sind Ende des 19. Jahrhunderts zu finden. Neben der üblichen Juwelierskunst, die konventionell Edelmetalle wie Gold  und Platin sowie Edelsteine wie Rubine, Saphire, Diamanten verwendete und hauptsächlich für das Großbürgertum und den Adel bestimmt waren, gab es die in Schmuckfabriken billig produzierte Massenware für das Volk. Diese Schmuckstücke imitierten vor allem die teuren Präziosen. Verarbeitung, Gestaltung und Materialwert waren  qualitativ minderwertig und die steigende Massenproduktion verschlechterte die Qualität zusehends.

Einfluß von Arts & Crafts und Japonismus

In England, dem Mutterland der Industrialisierung, schlossen sich Ende des 19. Jahrhunderts Handwerker und Künstler zur Arts & Crafts Bewegung zusammen, als Gegenbewegung zur industriellen Produktion. Man wollte der industriellen Massenware qualitativ hochwertiges Kunsthandwerk entgegenstellen, jedoch keine Luxusobjekte, sondern gute Gestaltung für die breite Masse. Schmuck spielte dabei von Anfang an eine große Rolle. Die im Sinne des Arts & Crafts Movement hergestellten Produkte erfreuten sich nicht nur auf der Insel großer Beliebtheit. Die Ideen von Arts & Crafts beeinflußte das mittlerweile industralisierte Europa und Amerika gleichermaßen. Die 1853 durch die Amerikaner und Engländer erzwungene Öffnung der japanischen Häfen,  trug unter anderem dazu bei, dass das bis dahin weitgehend unbekannte japanische Kunsthandwerk Beachtung und Verbreitung fanden. Die staunenden Europäer bewunderten die aus  Japan gezeigten Objekte. Eine Welle der Japan Begeisterung und Rezeption, „der Japonismus„, erfasste daraufhin Europa. Die simple Formgebung, die kunstvolle Ausarbeitung, die aufs höchste verfeinerte Ästhetik beeinflußte viele Künstler und Handwerker. So auch die Silberschmiede in Dänemark.

Niels Georg Henriksen, 1899, Silber Brosche, Anton Michelsen Silberschmiede, Copenhagen Mark 19a; 1899; Sammlung Marion und Jörg Schwandt, Foto: Martin Adam, Berlin

Die Sammlung Marion und Jörg Schwandt setzt an diesem Punkt an. Eine runde Brosche im japonistischen Stil aus der Silberschmiede Anton Michelsen zeigt in hervorragender Ziselierarbeit einen Teich aus dem sich eine Seerose und Bambusstäbe herauswinden. Der Teich ist mit fließenden Linien im japonistischen Stil angedeutet. Die runde Form der Brosche und das Motiv des Teiches zeigen den deutlichen Einfluß von japanischen Holzschnitten und des Schwertstichblatts der Tsuba.

Mogens Ballin

Mogens Ballin 1901/04, Silberbrosche, Mogens Ballin Workshop, Niels Georg Henriksen, 1899, Silber Brosche, Anton Michelsen Silberschmiede, Copenhagen Mark 19a; 1899 Copenhagen; Sammlung Marion und Jörg Schwandt,Foto: Martin Adam,Berlin

Einen großen Beitrag für die Weiterentwicklung der dänischen  Schmuck-gestaltung in der Moderne leistete die Silberschmiede von Mogens Ballin. Ballin wollte als 17 jähriger Künstler nach Paris reisen, um seine Kunst zu vertiefen. Mette Gauguin, die dänische Ehefrau von Paul Gauguin, lebte damals von Paris zurückgekehrt wieder in Kopenhagen und gab Mogens Ballin französisch Unterricht. Sie half ihm bei der Kontakaufnahme zu den französischen Symbolisten der Nabis.

Mogens Ballin, Haarkamm,1900/01, Schildpatt, Silber, Malachit Werkstatt Mogens Ballin, Kopenhagen, Sammlung Marion und Jörg Schwandt,Foto: Martin Adam, Berlin

Beeinflußt durch deren Ideen, die große parallelen zur Arts & Crafts Bewegung aus England aufwiesen, kehrte er nach Kopenhagen zurück. Sein neues Domizil richtete er ganz im Sinne der Arts & Crafts Idee komplett mit seinen eigenen Entwürfen ein und eröffnete zudem eine Silberschmiede. Ballin wollte qualitativ hochwertigen  Schmuck auch für den kleinen Geldbeutel produzieren. Der Schmuck Skønvirke bedeutet im dänischen schönes Arbeiten. Die Schönheit der Objekte sollten stilbildend sein und den Geschmack des Volkes positiv beeinflußen. Die Bedeutung des Schmucks wandelte sich.

Der Moderne Schmuck

Schmuck sollte nicht nur als Wertanlage dienen und die gesellschaftliche Stellung seines Trägers unterstreichen, sondern nun den guten und zeitgemäßen Geschmack  seines Trägers zum Ausdruck bringen. Der Wert eines Schmuckstückes wurde nicht mehr durch seinen Materialwert bestimmt. Die moderne Gestaltung und die qualitativ hochwertige Ausführung machten die Objekte nun zu Präziosen. Das vielseitige Silber wurde zum bevorzugten Material. Auf Gold und Edelsteine verzichtete man vollständig. Die verwendeten Schmucksteine wählte man nicht nach ihrem Marktwert sondern aufgrund ihrer Farben aus.

Mogens Ballin, 1901/1904, Brosche Silber, Kopenhagen; Mit Originalbox der Silberschmiede Mogens Ballin

Mogens Ballin schaffte es, außergewöhnliche Künstler und Handwerker an seine Silberschmiede zu binden. Als nicht ausgebildeter Silberschmied holte er Spezialisten an seine Schmiede, die die technischen Lücken füllten und die Künstler brachten sich mit  innovativen Ideen ein und entwickelten eine neue Formensprache.

Eine fruchtbare Zusammenarbeit-                       Mogens Ballin und Georg Jensen

 

Georg Jensen begann seine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum Silberschmied. Anschließend studierte er Bildhauerei an der  Akademie der schönen Künste. Er stellte sehr erfolgreich auf der Weltkunstausstellung in Paris im dänischen Pavillon seine Keramiken aus. Leider blieb der finanzielle Erfolg aus, und nach dem plötzlichen Tod seiner ersten Frau nahm er, um seine kleine Familie zu versorgen, eine Anstellung an der Silberschmiede von Anton Michelsen an. Später wechselte er zur Silberschmiede von Mogens Ballin, dessen moderne von den Nabis und Arts & Crafts beeinflußten Grundsätze ihn stark prägten. Bei Mogens Ballin lernte er die neuen Ideen kennen und konnte sich als Künstler und Silberschmied einbringen. Es entstanden Arbeiten, die der Formsprache von Mogens Ballin sehr nahe stehen. 1904 eröffnete Jensen eine eigene Silbermanufaktur und entwickelte eine von Lalique inspirierte, neue moderne Schmuckgestaltung. Dabei half ihm auch seine Ausbildung als Bildhauer. Wie kein anderer verstand  er es, dreidimensional zu arbeiten. Sein Schmuck ist für seine Zeit außergewöhnlich modern und die Ausarbeitung meisterhaft.

Georg Jensen,BROSCHE NO. 84, 1910/12,Silber, grüner Achat Georg Jensen Silberschmiede, Kopenhagen Sammlung Marion und Jörg Schwandt Foto: Martin Adam, Berlin

Tiere, Käfer, Blätter, Trauben bevölkern in schönster Ausführung seine Schmuckstücke. Obwohl sehr filigran und elegant, ist sein Schmuck zum Tragen konzipiert und durch die Herstellung mit Hilfe von Maschinen kostengünstig produziert. Dank Carl Ernst Osthaus, dem großen Föderer der Moderne in Deutschland und Gründer des Folkwang Museums, wurde Georg Jensen auch außerhalb Dänemarks bekannt. Er konnte sehr erfolgreich verkaufen, was aber durch den 1. Weltkrieg jäh unterbrochen wurde. Die Silberschmiede von Jensen meisterte jedoch diese schwierige Phase und auch spätere wirtschaftliche Krisen durch ein kluges Management, stets zeitgemäßen Schmuck und die Gabe, innovative und kreative Gestalter an die Manufaktur zu binden.

Henning Koppel, BROSCHE, 1969, Silber Georg Jensen Silberschmiede, Kopenhagen, Sammlung Marion und Jörg Schwandt, Foto: Martin Adam, Berlin

 

Die Ausstellung zeigt neben den Objekten aus dem frühen 20. Jh., Schmuck aus den 30er Jahren  bis in die späten 60er Jahre, und damit einen Querschnitt der Gestalter, die die Formensprache von Georg Jensen besonders geprägt haben, wie z.B. Harald Nielsen, Christian Møhl-Hansen, Sigvard Bernadotte, Arno Malinowski, Henning Koppel, Nanna und Jørgen Ditzel, Torun Bülow-Hübe. Der Georg Jensen Schmiede ist es gelungen, bis in die heutige Zeit durch ihre Schmuckproduktion, die stets ihrer Zeit voraus war, stilbildend für andere Silberschmiede zu sein.

Nanna und Jørgen Ditzel, Armband, 1961, Silber Georg Jensen Silberschmiede, Kopenhagen Sammlung Marion und Jörg Schwand, Foto: Martin Adam, Berlin

Silberschmiede Hans Hansen – Karl Gustav Hansen

Karl-Gustav Hansen begann bereits in sehr jungen Jahren Schmuck für die Schmiede seines Vaters, die eigentlich vorwiegend Besteck produzierte, zu entwerfen. Der Schmuck der 20er und 30er Jahre ist radikal modern und simpel gestaltet und rezipiert in seiner Formensprache die Technisierung seiner Zeit. Anders als im beliebten Modeschmuck der Zeit verzichtete Karl Gustav Hansen auf die neuen Kunststoffe wie Bakelit oder Galalith und arbeitete ausschließlich mit Silber und edleren Materialien wie Elfenbein  oder Horn. Nachdem 2. Weltkrieg, der der Silberschmiede auch schwere Zeiten beschert hatte, gelang es Hans Hansen mit Bent Knudsen und Bent Gabrielsen Petersen zwei hervorragende Sielberschmiede an die Manufaktur zu binden. 

Bent Knudsen, Armband NO. 26, 1957, Silber Sammlung Marion und Jörg Schwandt, Foto: Martin Adam, Berlin © VG Bild -Kunst, Bonn 2018

 

Die Sammlung Marion und Jörg Schwandts zeigt hier die schönsten Entwürfe dieser beider Gestalter, die nach ihrer langjährigen Tätigkeit bei Hans Hansen in ihren eigenen Werkstätten enstanden sind.

Bent Gabrielsen Pedersen, Anhänger, NO. 368, 1967/68, Silber, Hans Hansen Silberschmiede, Kolding Sammlung Marion und Jörg Schwandt Foto: Martin Adam, Berlin

Schliesslich wird der große Silberschmieden Reigen bei Hans Hansen mit den Arbeiten von Bent Exner gekrönt.

Wie keinem anderen ist es Exner bereits für Hans Hansen gelungen, eine außergewöhnlich markante Formensprache zu entwickeln. Die ausgestellten Arbeiten zeigen seine Könnerschaft im Feuervergolden. Eine Besonderheit ist auch die metaphorische Aufladung der Objekte.

Torun Bülow-Hübe

Die hochbegabte und vielseitige schwedische Silberschmiedin eröffnete zunächst in Stockholm ihre eigene Silberschmiede, bevor sie 1956 nach Frankreich ging.

Georg Jensen, Torun Bülow-Hübe, Ring, Brosche, Nackenring 1968-1999

Dort eroberte sie in Windeseile die Pariser Prominenz. 1958 lernte sie Picasso kennen, der ihr zu einer Ausstellung in Antibes verhalf. Sie schaffte es auf die Titelseite der Vogue, die gleichermaßen von ihre Schönheit und ihrer Kreativität begeistert war.  Seit 1967  entwarf sie fast ausschließlich für Georg Jensen ihren von der Natur inspirierten Schmuck  und prägte damit den Jensen Stil der späten 60 er Jahre. Die Ausstellung zeigt 3 Objekte Torun Bülow-Hübes: eine Kette, einen Ring und eine Brosche für Jensen. Bis auf die Kette werden die Stücke nicht mehr produziert und sind bei Sammlern immer heiß begehrt.

Eine wunderbare Ausstellung für alle Schmuckliebhaber, die einen tiefen Einblick in die dänische Schmuckgestaltung ermöglicht und viele Zusammenhänge aufdeckt. Die Ausstellung zeigt innovative Silberschmiede, die den Schmuck demokratisiert, erneuert und eine individuelle, dänische Formensprache entwickelt haben.

Ich wünsche viel Vergnügen und Anregungen, ganz im Sinne von Torun Bülow-Hübe:    „Ein Schmuckstück sollte ein Symbol der Liebe sein. Es soll den Körper schmücken und sich mit ihm bewegen, sodass er ein Teil von dir wird. Er darf dich nicht erdrücken, sondern soll dich aufwerten. Darum muss er zeitlos sein. Es sollte keine Rolle spielen, ob du 17 oder 87 Jahre bist.“

Eure Gurbet Hoffmann

Zu der Ausstellung  ist ein umfangreicher Katalog mit zahlreichen Abbildungen und einem Markenverzeichnis im Arnoldsche Verlag erschienen. Der 231 Seiten umfassende Katalog kostet 39€. 

Informationen zum Begleitprogramm der Ausstellung finden sie hier

 
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