HANNE DARBOVEN – KORRESPONDENZEN

BEDEUTENDE Darboven SCHENKUNG AN DEN HAMBURGER BAHNHOF

Fotograf: Angelika Platen
Hanne Darboven [1941 – 2009], Deutsche Konzeptkünstlerin
Motiv 3 von 3
Aufnahmedatum: 1968 , Aufnahmeort: Düsseldorf
Am 18.5.2017 habe ich anlässlich der bedeutenden Schenkung von 15 Werken und Werkkomplexen Hanne Darbovens (1941-2009), durch das Sammlerehepaar Susanne und Michael Liebelt aus Hamburg an die Nationalgalerie Berlin die Ausstellung Korrespondenzen die neue Ausstellung im  Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin besucht, die einen Einblick in den Schaffensprozess dieser wichtigen Konzeptkünstlerin bietet. Durch diese bedeutende Schenkung verfügt die Nationalgalerie nun über Werke aus allen Schaffensphasen der 2009 verstorbenen Künstlerin und ein Teil Ihrer Korrespondenz wird dadurch zum erstenmal öffentlich zugänglich gemacht. Die Künstlerin selbst hatte dieses Konvolut  unter dem Titel Korrespondenz für die Öffentlichkeit zusammengestellt, darunter 1100 Briefe, Postkarten und Fotografien aus den Jahren 1967 bis 1975, die einen bislang unbekannte Zugang zu ihrem Werk ermöglicht.

Hanne Darboven,Menschen und Landschaften, 1985
Bleistift und Filzstift auf Karton, historische Post- und „Ubiquist“-Karten, 169-teilig, je 50 x 70 cm
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 2016 Schenkung von Susanne und Michael Liebelt, Hamburg;Installationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin © Hanne Darboven Stiftung, Hamburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Foto: Jan Windszus

8 Thematisch gegliederte Räume

Die Ausstellung ist in Themenbereiche unterteilt, die an den Inhalt der Briefe und den Diskurs über die Konzeptkunst anknüpfen, wie: Dematerialisierungstendenzen, performative Schreibverfahren, auktoriale Vielstimmigkeit, Identitätsstiftung durch Erinnerungen, Totalisierung von Arbeit in Zeiten postmaterieller Strukturen, sowie die Globalisierung der Kunst. Die Themen werden in 8 Ausstellungsräumen dargestellt und mit Werken von Darboven und den Künstlern mit denen sie korrespondierte, gegenübergestellt.

Collage / Tinte, Papier (1987) von
Hanne Darboven [1941 -]
Bildmaß je: 42 x 30 cm
(bestehend aus 56 Blättern)
Inventar-Nr.: B 1331
Person: Hanne Darboven [1941-], Deutsche Konzeptkünstlerin
Systematik:
Personen / Künstler / Darboven, Hanne / Werke

Hanne Darboven die Briefstellerin

Bisher war Hanne Darboven als Künstlerin, Sammlerin und Komponistin bekannt. In dieser Ausstellung rückt ihre unbekannte Seite  in den Mittelpunkt, ihre unbändige Lust am Schreiben wird zum zentralen Motiv. Eine Auswahl der bei Hanne Darboven eingegangenen oder von ihr verfassten Briefe an langjährige Freunde werden gezeigt. Ihre Werke werden den Arbeiten von Künstlerkollegen u.a. wie Carl Andre, Bernd und Hilla Becher, Daniel Buren uvm., mit denen sie im Briefwechsel und engem Austausch stand, gegenübergestellt.

Hanne Darboven, Im-Haus-Brief an die Mutter am Burgberg, 24.12.1974
Hanne Darboven Stiftung, Hamburg © Hanne Darboven Stiftung, Hamburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Courtesy Christians Verlag e. K., Hamburg

Hanne darboven Die Konzeptkünstlerin durchdringung von Raum und zeit mit dem k-wert

Hanne Darboven studierte in Hamburg an der Hochschule für bildende Künste bei Wilhelm Grimm und Almir Mavignier, einem Absolventen der Ulmer Hochschule für Gestaltung, der ihr den Ratschlag nach New York zu gehen gegeben hat. In der Zeit von 1966-1968 lernte die junge Künstlerin in New York bedeutende Kollegen wie Sol LeWitt, Carl Andre, Joseph Kosuth und deren Konzeptkunst kennen, entwickelte ihre Konstruktionen und Zahlenezeichnungen, und stellte zum erstenmal ihre Werke aus. Seit 1968 arbeitete sie mit berechneten Konstellationen auf der Basis von Kalenderdaten. Hierbei spielt der von Darboven sogenannte K_Wert, eine Quersumme des Tagesdatums, eine zentrale Rolle. So wird z.B. der 1.Januar 1974 zu 1+1+7+4 = 13K. K steht für Konstruktion. 

Darboven versucht das Abhängigkeitverhältnis von Zeit und Raum zu themaisieren und arbeitet dabei mit vorgefundenen Indizes wie Karten und Listen als gestalterische Mittel.

Hanne Darboven, Brief an Sol LeWitt, 15.09.1970
Hanne Darboven Stiftung, Hamburg © Hanne Darboven Stiftung, Hamburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Courtesy Christians Verlag e. K., Hamburg

DARBOVENS Wahlverwandschaften

Die Verschränkung von künstlerischer Arbeit und Leben bildet schon früh eine der zentralen Strategien Darbovens. So handelt es sich bei der Korrespondenz vor allem auch um Liebesbriefe von und an Darboven, die zu einer konzeptuellen und vielstimmigen autobiographischen Skizze werden. Im letzten Raum der Ausstellung, von den Kuratoren etwas hochtrabend mit „Wahlverwandschaften – all you need is love“ betitelt, werden die Verflechtungen und Überlagerungen von Hanne Darbovens Arbeiten mit den Arbeiten ihrer Künstlerkolleg_innen gezeigt.

Eine bedeutende Ausstellung wie ich finde, die einen einmaligen Einblick in das Werk Hanne Darbovens ermöglicht. Die Auseinandersetzung und das Verständnis für das ohne Anleitung sehr hermetische Werk Darbovens wird Dank der schön gestalteten roten Kataloge, die kostenlos in den Räumen ausliegen, hinreichend ermöglicht.

Wünsche viel Vergnügen, Eure Gurbet

Kuratoren der Ausstellung:

Gabriele Knapstein, Petra Lange-Berndt, Dietmar Rübel

Mehr Informationen zu Hanne Darboven im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart Berlin findet ihr unter: